Freitag, 3. Januar 2014

Der Große Tempel des Ilaisias: Evolution eines Sketchup-Modells 2008-2013 - Teil 1

Im Laufe der Jahre, die ich nun schon mit dem Weltenbasteln im weitesten Sinne verbringe, habe ich immer wieder neue Methoden und Werkzeuge ausprobiert, um meinen Ideen Gestalt zu verleihen. Manche davon erfolgreicher als andere, aber es lohnt sich, möglichst viel auszuprobieren, um herauszufinden, was einem am meisten liegt. Lange Zeit habe ich hauptsächlich mit Bleistiftzeichnungen gearbeitet, später kamen dann digitale Techniken mit Programmen wie Photoshop oder Gimp dazu, wodurch ich meinen schwarz-weißen Zeichnungen eine neue Dimension, die der Farben, hinzufügen konnte. Doch es blieb natürlich immer zweidimensional. Nun hatte ich schon immer eine gewisse Faszination für die dritte Dimension, sei es in Form von physischen Modellen oder digitalen Computergrafiken. Lange Zeit scheiterte es aber daran, ein Programm zu finden, mit dem ich meine Ideen schnell und einfach umsetzen konnte, ein früher Versuch, mich in das Open-Source-Programm Blender einzuarbeiten, scheiterte an der mir damals zu komplizierten Bedienung. Umso mehr war ich begeistert, als ich Anfang 2008 auf das Programm Google Sketchup (heute Trimble Sketchup) stieß. Falls nicht bekannt, dabei handelt es sich um ein kostenloses 3D-Grafikprogramm, das vor allem zum schnellen Erstellen einzelner Objekte geeignet ist und mit dem bis vor kurzem die 3D-Gebäude für Google Earth erstellt wurden. Zwar mangelt es Sketchup in der Grundausstattung an vielen Funktionen, die andere 3D-Programme bieten, aber gerade diese Reduktion auf einige grundlegende, einfach zu bedienende Werkzeuge machen es meiner Meinung nach zum idealen Einstieg in die 3D-Grafik. Zudem lassen sich nahezu alle erdenklichen zusätzlichen Funktionen mit Hilfe von unzähligen Plugins, die von der Community erstellt werden, bei Bedarf nachrüsten, so dass es  „richtigen“ 3D-Grafikprogrammen nur noch wenig nachsteht - zumindest, wenn es um das erstellen von statischen Objekten wie Gebäuden geht. Und auch diese Defizite lassen sich weitgehend durch die Kombination mit weiteren – ebenfalls kostenlosen - Programmen ausgleichen.

2008 – Der Anfang einer Odyssee

Als ich damals Sketchup kennenlernte, spukte gerade ein Bild in meinem Kopf herum. Ich hatte schon immer ein großes Interesse an Architektur, insbesondere des Mittelalters und der Antike, und so war das auch immer schon ein wichtiger Aspekt, den ich beim Weltenbasteln einbezog. Zweidimensionale Zeichnungen wurden meinen Ansprüchen da aber schon bald nicht mehr gerecht. Ich wollte immer alle Winkel  und Details eines Gebäudes sehen können, nicht nur die, die eine feste Perspektive zeigen konnte. Ein anderer Aspekt, mit dem ich mich damals befasste, war die Religion in meiner Welt Thaera. Ich bin kein religiöser Mensch im wahren Leben, aber die gesellschaftlichen Auswirkungen von Religionen in der Geschichte interessieren mich sehr. Ich finde, dass die Religion ein Aspekt ist, der in vielen fiktionalen Welten zu kurz kommt, besonders da viele von diesen auf dem europäischen Mittelalter basieren, einer Zeit in der die Kirche nahezu uneingeschränkte Macht besaß. In vielen fiktionalen Welten wird dieser Aspekt jedoch weitgehend ausgeklammert, insbesondere Rollenspielen verkommen Religionen oftmals zu Dienstleistungsunternehmen, bei denen man sich gegen etwas Gold Heilung und Segnungen abholen kann. Doch dazu werde ich an anderer Stelle mal mehr schreiben. Ich wollte jedenfalls, dass die Religionen in meiner Welt nicht bloß Mittel zum Zweck sind, sondern eine wichtige gesellschaftliche und auch politische Rolle spielen. Auch dazu werde ich an anderer Stelle noch mehr schreiben. Auf jeden Fall ersann ich ein Pantheon von Göttern, die zugegebenermaßen relativ konventionell daherkamen: Jeder von ihnen war einem recht klassischen Aspekt zugeordnet, wie Handwerk, Kampf, Natur und so weiter. Nicht sonderlich originell, aber ich habe auch schon länger vor, das Ganze zu überarbeiten und interessanter zu gestalten. Unverändert blieb bisher Ilaisias, der Gottes Lichtes, der gleichzeitig Gott der Gerechtigkeit und so etwas wie der Oberste der Götter ist, vergleichbar mit dem antiken Zeus. Das Bild, das ich nun im Kopf hatte, war das eines gewaltigen Tempels zu seinen Ehren, vergleichbar in seinen Ausmaßen mit den gotischen Kathedralen des späten Mittelalters und in seiner Pracht mit den barocken Palästen des Barock. Mir schwebte ein gewaltiger, achteckiger Bau vor, mit Türmen an jeder Ecke und gekrönt von einer gewaltigen goldenen Kuppel, die sich weit über alles in ihrer Umgebung erhebt. Bald wurde mir klar, dass eine einfache Zeichnung meiner Vision nicht gerecht werden konnte, und da ich wohl eher zufällig etwa zur selben Zeit auf Sketchup gestoßen war, bot es sich an, es einmal damit zu versuchen. Es war zugegebenermaßen ein sehr ambitioniertes Erstlingswerk, aber es sollte sich als ideales Lernmittel erweisen. Jedenfalls war ich von Anfang an überrascht, wie leicht sich meine Ideen mit Sketchup umsetzen ließen, und so waren meine ersten Versuche schon bald von Erfolg gekrönt, und das Gebäude erhob sich vor mir, ganz so wie ich es mir vorgestellt hatte.

 
Dies war tatsächlich mein erster Versuch, ein Gebäude mit Sketchup zu erschaffen, und ich war damals selbst erstaunt, wie gut es auf Anhieb funktioniert hatte. Zunächst hatte ich noch den Plan, dieses noch eher grobe Modell als Grundlage für 2D-Illustrationen zu verwenden, und Details mit Photoshop oder Gimp über einen Screenshot zu malen. Bald entdeckte ich jedoch die Möglichkeiten, die Sketchup beim Texturieren von Modellen bot, und auch wenn diese Funktion vergleichsweise rudimentär gehalten ist, ist sie doch genau so intuitiv und schnell zu erlernen und zu verwenden wie die restlichen Werkzeuge. So konnte der Tempel bald schon in einer texturierten Pracht erstrahlen, die ich mir vorher kaum zu erhoffen gewagt hätte.

Texturen und mehr Details

Damals fing ich schon damit an, eigene Texturen speziell für dieses Modell zu erstellen, so malte ich mir beispielsweise eigene, wenn auch sehr einfach gehaltene Texturen für die Dächer, und gestaltete die Fenster zunächst auch als flache Texturen. Das Symbol über dem Eingang stellte dabei das Symbol des Gottes Ilaisias dar, eine geflügelte Faust in einem Lichtstrahl, der von oben herab scheint. Dies sollte symbolisieren, dass Ilaisias aus dem Götterreich (auf Thaera dem Glauben nach identisch mit der Sonne) seinen Gläubigen Kraft verleiht und über alles wacht. Trotz mehrerer Überarbeitungen der Textur im Laufe der Jahre ist das Symbol in seinen Grundzügen gleich geblieben, wenn es auch ein wenig albern wirken mag. Es sollte allerdings schon damals eine Hommage an die „Flammende Faust“ aus den Baldur’s Gate-Spielen sein, die, ähnlich den Priestern und Paladinen des Ilaisias auf Thaera, sich der Wahrung der Gerechtigkeit und der Ordnung verschrieben haben – oder dem, was sie darunter verstehen. Die Faust sollte auch darauf anspielen, dass auch wenn sich die Priester und Paladine als Diener der Götter und Beschützer des Volkes sehen, sie dennoch ihre Stellung, wenn auch oft unbewusst, gelegentlich zur Unterdrückung und Ausbeutung missbrauchen und ihre Handlungen, so grausam sie manchmal auch sein mögen, mit dem Willen der Götter legitimieren.
Das Symbol auf der Spitze der Kuppel wiederum hatte ich bereits einige Zeit zuvor als Zeichen für die gesamte, in diesem Teil der Welt Thaera vorherrschende Ordar-Religion (der Name kommt von „Ordaer,“ der Bezeichnung der Götter auf Thaera) etabliert, es symbolisiert die fünf Welten des mythologischen Weltbilds. Darüber auch an anderer Stelle mehr.

Gebäude zu Ehren des selben Gottes sollen sofort am
Architekturstil erkannt werden können - wie dieser Schrein
In der folgenden Zeit habe ich mich noch weiteren Projekten gewidmet, um meine Sketchup-Fähigkeiten noch weiter zu verbessern, dabei den Tempel, bis heute praktisch mein Hauptwerk im Sketchup-Bereich, jedoch immer an den aktuellen Stand meiner Fähigkeiten angepasst. Die meisten der anderen Gebäude, die ich in dieser Zeit erstellt hatte, waren dann allerdings ebenfalls Tempel, für andere Götter und mit anderen Formen, aber immer in der Bemühung, etwas dazuzulernen, das ich dann weiter anwenden konnte. Dazu gehörte auch eine Art Schrein, praktische eine kleine Version des Ilaisiastempels, von dem aus Priester auf öffentlichen Plätzen zum Volk sprechen könnten, dessen Grundform angelehnt war an ähnliche Schreine aus dem Spiel Gothic 2. Anfang 2009 gab es dann wieder eine Überarbeitung des Großen Tempels, diesmal waren vor allen Dingen die neu hinzugefügten Fenster, die nun nicht mehr nur flache Texturen, sondern echte 3D-Objekte waren, sowie der Anfang einer Umgebung die wichtigsten Änderungen, sowie eine stimmigere Treppe zum Eingang. Die kleinen Menschen, die vor dem Eingang zu sehen sind, waren nichts weiter als flache Formen, um die Größenverhältnisse zu verdeutlichen.

 

2010 – Meilensteine und Einschränkungen

Dies war damals schon eine ziemlich fortgeschrittene Version für mich, und für den Rest des Jahres ließ ich den Tempel wieder ruhen und verfolgte andere Projekte, wobei ich mich zu dieser Zeit bereits mit dem Traum getragen hatte, irgendwann mal noch den Innenraum zu basteln, den ich bereits zuvor als äußerst prachtvoll beschrieben hatte. Es sollte noch mehr als ein ganzes Jahr dauern, aber im Mai 2010 konnte ich diesen endlich der Öffentlichkeit des Weltenbastlerforums präsentieren. Und dafür hatte ich mir zur Abwechslung mal was Besonderes ausgedacht: Anstatt wie bisher lediglich einzelne Bilder zu zeigen, nahm ich mit Hilfe der Trial-Version von Fraps sowie der Sketchup-Erweiterung Walkabout3d einen Videorundgang durch den Tempel auf, unterlegte das Ganze mit Musik und lud es bei Youtube hoch. Das Ergebnis ist, aus meiner heutigen Sicht vor allem aufgrund meiner damals sehr einschränkenden Hardware recht dilettantisch, sorgte aber damals für weit herabfallende Kinnladen, des Modells an sich wegen, weniger wegen des Videos… Dabei schränkte mich nicht nur mein damals schon alter Laptop ein,  mit dem die Aufnahme zur Ruckelorgie wurde, sondern auch die verwendete Software. So gut Walkabout3d auch zur schnellen Visualisierung von Sketchup-Modellen geeignet ist, die grafischen Möglichkeiten lassen zu wünschen übrig. So kannte es zur damaligen Zeit beispielsweise keine weichen Kanten, weshalb Kuppeln und Säulen im Video sehr eckig wirken, ebenso gibt es, abgesehen von der Komplettbeleuchtung durch eine einzelne Lichtquelle, der Sonne, keine Möglichkeiten für Beleuchtungseffekte, die einem Innenraum wie diesem mit Sicherheit noch sehr gut getan hätten. Aber es war das, wozu ich damals die Möglichkeiten hatte und erfüllte seinen Zweck.
Im Video sind am Anfang noch weitere Teile der unfertigen Umgebung zu sehen, Teile einer ganzen Stadt, die ich damals komplett in Sketchup plante, und die ich nun seit einigen Monaten vollständig neu mit Hilfe der Unity Engine zu realisieren versuche. Auch die aktuelle Version des Ilaisiastempels ist Teil davon.
Originalgröße
Der Stand des Tempels aus dem Video war zum damaligen Zeitpunkt die Krönung meines bisherigen Schaffens, und das blieb für lange Zeit auch so. Während ich den Innenraum konstruierte, hatte ich wie zuvor noch bei keinem anderen Modell das Gefühl, dass sich alles irgendwie logisch zusammenfügt, und irgendwie wohl so sein muss. Auch wenn es selbstverständlich viel Arbeit war und lange gedauert hat, so hatte ich dennoch oftmals das Gefühl, der Tempel baue sich mehr oder weniger von selbst. Ähnlich inspiriert war ich vorher und seitdem nur selten, und kaum war ich mal mit dem Endergebnis so zufrieden gewesen wie in diesem Fall. Entsprechend blieb es auch lange Zeit dabei. Der Tempel war fertig, auch wenn ich in der Folgezeit immer wieder Details änderte, hier mal eine bessere Textur, hier ein paar Polygone mehr, blieb es im Wesentlichen dabei. Die größten Änderungen über die folgenden drei Jahre waren echte 3D-Objekte für die goldenen Ornamente, die die Turmspitzen umkränzen.  Zuvor waren diese nur flache Formen gewesen. Darüber hinaus änderte sich allerdings nicht mehr viel. Neue Sketchup-Plugins ermöglichten mir verbesserte Texturierung oder neue Ansätze für vormals problematische Details, doch all das hielt sich in Grenzen und war für sich genommen keine weitere Präsentation wert. Dies sollte sich erst ändern, als sich Anfang dieses Jahres zusammen mit einem neuen PC durch die Unity-Engine völlig neuartige grafische Möglichkeiten ergaben.

Mehr dazu in Teil 2. An die ungeduldigen Mitglieder des Weltenbastler-Forums: Ja, dann gibt es endlich Bildmaterial von meinem Unity-Projekt! 


Eine Version des Tempels samt Innenraum von 2012 kann in zwei Teilen von meiner 3D-Galerie im Sketchup 3D Warehouse heruntergeladen werden: Außenbereich, Innenraum Die beiden Teile können in Sketchup 8 oder neuer geladen und zur Betrachtung wieder zusammengesetzt werden. Für die aktuelle Version werde ich wohl demnächst eine alternative Download-Quelle anbieten.

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